Seit US-Präsident Donald Trump einem Handelskonflikt mit der Mehrheit der Länder außerhalb Chinas für 90 Tage eine Waffenruhe angeboten hat, war es Giorgia Meloni, die erster europäischer Staatsoberhäupter wurde, zu denen sie Einladungen ins Weiße Haus aussprach. Dies alleine zeigt bereits das Gewicht dieses Treffens am Gründonnerstag. Zusätzlich dazu genießt die italienische Politikerin sowohl großes politisches Interesse als auch persönliches Vertrauen seitens des Präsidenten. Bereits im Vorjahr beschrieb Trump Meloni als "fantastische Person" und einen "großen Führer". Gleichzeitig nahm Meloni Anfang Januar als einziger Oberhäuptling eines EU-Landes an Trumphs Amtsantritt teil.

Meloni sieht Musk als Verbündeten.

Welche Person außer Meloni wäre imstande, den US-Präsidenten zu beruhigen und ihm davon abzuhalten, seine Zollmaßnahmen weiter auszuführen? Die offizielle Absicht von Melonis Aufenthalt in Washington lässt sich zusammenfassen als: keine europäischen Zölle für US-Produkte, kein Amerika-Zoll für Waren aus der Europäischen Union. Auch ihr Bewusstsein darüber, dass dies herausfordernd sein dürfte, zeigt ihre Klarsichtigkeit. Man zitiert sie bei Vertrauenspersonen so: "Jedenfalls werde ich mein Bestes tun, um positive Ergebnisse mit zurückzunehmen." In den USA hat sie einen mächtigen Verbündeten auf ihrer Seite: Elon Musk, dessen Bekanntschaft sie pflegt. Musk forderte kürzlich beim Kongress der rechtspopulistischen Lega unter Matteo Salvini in Florenz genau jene Freihandelsoase ohne jede Art von Zöllen – genauso wie es Meloni für die transatlantischen Handelsbeziehungen erhofft.

Wegen ihrer engeren Verbindungen zu Donald Trump hoffte Meloni schon vor seiner Amtsübernahme, eine Vermittlerrolle zwischen Brüssel und Washington übernehmen zu können. Bislang hat diese Erwartung sich jedoch noch nicht erfüllt – auch Italien wurde von dem Zollscharmützel des amerikanischen Präsidents stark betroffen, ähnlich wie andere europäische Exportländer; nach Deutschland steht es mit einem Handelsüberschuss bei den USA auf Platz zwei unter allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Im Frühjahr, während des „Liberation Day“ Feierlichkeiten Mitte April zeigte Meloni, die ihre Verbundenheit mit dem US-Milliardär stets offen gezeigt hatte, deutliche Schwierigkeiten damit, ihr Missfallen und ihre Unzufriedenheit zu verstecken. "Die neuen Einfuhrbeschränkungen durch die Regierung der Vereinigten Staaten sind völlig fehlgeleitet", sagte die italienische Premierministerin. Sie ergänzte allerdings sofort: "Das bedeutet aber keinesfalls das Ende."

Die USA sollten ein dauerhafter strategischer Partner sein.

Der zweite Teil ihres Standpunkts finden die Repräsentanten der Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie in Italien nicht teilenbar. Die Hersteller hochwertigen Weins, Parmesan-Käses, Olivenöls sowie hart gekochter Nudeln zählen die Vereinigten Staaten zu ihren wesentlichen Märkten außerhalb Italiens. Dieser Umstand kennt auch Meloni sehr wohl. Daher hat Rom beschlossen, dem Präsidenten der USA keine weiteren Gründe zum Ärgernis zu geben, indem es gemeinsam mit Berlin auf EU-Niveau für Vorsicht plädierte und als einer der Hemmschuhe galt, während Brüssel daran ging, eine Gegenlistung vorzubereiten. Fest steht bei Meloni: Ungeachtet dessen, wer im Weißen Haus residiert, müssen die USA nach wie vor(Italien) und der Europäischen Union strategischer Verbündeter sein - sei es im Sicherheitsbereich oder bezüglich Wirtschaft und Handel.

In den vergangenen Wochen haben sich Bedenken verstärkt, je präziser Mélons Reiseplanung wurde. Die italienische Regierungschefin könnte ihren Besuch beim amerikanischen Präsidenten nutzen, um eigene Handelsestrategien zu verfolgen und spezielle Regelungen für italienische Exporte herbeizuzaubern. Hierzu sprach sich der französische Wirtschaftsminister Marc Ferracci besonders deutlich aus: "Ein Beginn bilateraler Verhandlungen mit Trump stellt eine Gefahr dar, dass die gegenwärtige Solidarisität innerhalb Europas bricht", mahnte Ferraci an. Es ist bekannt, so Ferraci weiter, wie simpel und direkt das Vorgehen des US-Präsidenten sei - er strebt einen Bruch unter den Europäern an. Auch der ehemalige Kommissionsmitglied und ehemalige Premierminister Mario Monti betonte am Wochenende im Corriere della Sera seine Sorgen über Melonis Plan. In Bezug auf deren bevorstehenden Aufenthalt in Washington sah er sie als Herausforderung ihres Amtes gegenüber. Monti betrachtet diese Situation als ihre größte Probe seit dem Antritt ihres Postens.

Die EU-Kommission betrachtet Melonijs Reise als positiv.

Meloni sowie ihre Wirtschafts- und Exportfachminister lehnen ab, dass sie geheime Abkommen mit Trump anstreben oder ihrem Land dabei helfen möchten, unverdiente Vorteile herauszuschlagen. "Da Trump seine Zolltarife für 90 Tage einfriert, wird die Reise von Giorgia Meloni dazu beitragen, zukünftige Verhandlungen zwischen den USA und Europa zu vereinfachen und hoffentlich auf den richtigen Kurs zu bringen: Der Westen sollte zusammenarbeitenstatt Streitereien", erklärte am Montag Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Adolfo Urso.

Keine Unruhe um Melonys Treffen mit Trump zeigte sich auch bei der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Eine Sprecherin von ihr erklärte am Montag: "Die Kommissionspräsidentin sowie die italienische Premierministerin haben regelmäßigen Austausch. Die Initiative Melonys, in Washington die europäische Haltung darzulegen, gilt als äußerst positiv und wurde sorgfältig mit der Kommission abgestimmt."

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